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VOD-Nachrichten


22.05.2016

Interview: „Spiritualität sollte zum Themenbereich der Wissenschaft gehören“



In der Interviewreihe mit Dozenten des 19. Internationalen Osteopathie-Kongresses stellt der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V. heute Prof. Dr. Dr. Harald Walach vor, Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder) und Professor für Forschungsmethodik der Komplementärmedizin.

VOD: Herr Prof. Dr. Dr. Walach, Sie beschäftigen sich mit der Schnittstelle zwischen Bewusstsein und den Auswirkungen auf Körper und Gesundheit. Wir freuen uns, Sie bei unserem 19. Internationalen Osteopathie-Kongress in Bad Nauheim als Dozent begrüßen zu dürfen, wo Sie über „Spiritualität und Gesundheit“ sprechen werden. Worum geht es in Ihrem Vortrag?

Prof. Dr. Dr. Walach: Mir scheint Spiritualität ein Thema zu sein, das viele Menschen berührt, von der Wissenschaft aber mit einer gewissen Peinlichkeit vermieden wird. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die Wissenschaft sich im Zuge der Aufklärung nicht nur von der Religion abgekoppelt hat, sondern auch gleich den gesamten Erfahrungsbereich, den wir mit Spiritualität verbinden, tabuisiert hat. Ich will in meinem Vortrag an dieser Stelle Bewusstsein dafür schaffen, dass Spiritualität ein menschliches Bedürfnis ist und dass es als solches auch durchaus zum Themenbereich der Wissenschaft gehören sollte. Außerdem sehen wir seit einigen Jahren in einem ganz praktischen Sinne, dass spirituelle Praxis, etwa in Form von Achtsamkeit oder Meditation, der Gesundheit zuträglich ist. Ich will auch darüber sprechen, dass spirituelle Praxis als ganz allgemeine Kultur des Bewusstseins möglicherweise ein Selbstheil- und Selbsthilfesystem erster Güte sein kann.

VOD: Als Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa Universität Viadrina in Frankfurt und ihrer Funktion als Professor für Forschungsmethodik der Komplementärmedizin sind Sie am Puls der Wissenschaft. Unser Kongressthema heißt „Altern – in der Gesundheit bleiben“. Wie können Menschen gesund altern?

Prof. Dr. Dr. Walach: Das Wichtigste scheint mir soziale, gesellschaftliche und persönliche Teilhabe: an dem, was sozial in der näheren und weiteren Umgebung passiert, aber auch in erfüllenden sozialen Beziehungen, sei es in der Familie, sei es in der Gemeinde. Dann spielt regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle und gute Ernährung. Und das bedeutet heute häufig: weniger und gute Qualität ist mehr als viel und schlechte Qualität. Vor allem Gemüse und Früchte und weniger raffinierte und hochverarbeitete Kost sind wichtig.

VOD: Welchen Anteil hat die Spiritualität nach Ihren Erkenntnissen an diesem Prozess?

Prof. Dr. Dr. Walach: Spiritualität bedeutet u.a. auch, sein Leben in einem weiteren Kontext zu sehen und die unmittelbaren, egozentrischen Bezüge auf sich selbst zu übersteigen. Je mehr uns das gelingt, desto mehr kann sich Sinn und Sinnerfüllung in unserem Leben einstellen. Und das scheint mir vor allem im Alter ganz zentral zu sein.

VOD: Ist die Auswirkung von Spiritualität auf die Gesundheit ein Forschungsthema?

Prof. Dr. Dr. Walach: Ja, allmählich wird es immer mehr zu einem Forschungsthema.

VOD: In einem Ihrer laufenden Projekte befassen Sie sich mit der Frage, ob es möglich ist, eine Prävention von Demenz über eine weitreichende Veränderung des Lebensstils zu erreichen. Gibt es dazu schon erste Ergebnisse?

Prof. Dr. Dr. Walach: Wir haben im Prinzip aus bestehenden Erkenntnissen ein solches Programm entwickelt. Jetzt müssen wir sehen, ob es sich auch in der Praxis bewährt. Das wird ein relativ aufwändiges Unternehmen sein, für das wir erst noch die nötigen Forschungsgelder finden müssen. Wahrscheinlich ist weniger die Frage, ob eine solche Prävention möglich ist, sondern eher, ob sie vermittelbar ist und ob Menschen bereit sind, ihren Lebensstil anzupassen um eines sehr fernen Zieles willen, nämlich der Verhinderung einer möglichen Demenz. Denn wenn die Symptome da sind, ist es eigentlich schon fast zu spät.

VOD: Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns auf Sie in Bad Nauheim!
Nutzen Sie den Frühbucherrabatt, sichern Sie sich 30 Fortbildungspunkte: Melden Sie sich für den 19. Internationalen Kongress vom 30. September bis 02. Oktober an: www.osteopathie.de/kongress. Wer vorab das International Symposium am 29. September besucht, erhält weitere 10 Fortbildungspunkte!
 

Link: osteopathie.de/n1463905500



Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD e.V.)
Untere Albrechtstr. 15 - D-65185 Wiesbaden
Tel. 0611 5808975 0 - Fax 0611 5808975 17
Email gs.wiesbaden@osteopathie.de - www.osteopathie.de