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VOD-Nachrichten


13.06.2016

Osteopathie kann Alterungsprozesse positiv begleiten - Interview mit Colin Dove DO, Referent beim 19. Internationalen Osteopathiekongress in Bad Nauheim



VOD: Colin Dove, bei Ihrem Vortrag auf dem 19. internationalen Osteopathie Kongress des VOD in Bad Nauheim geht es um die Erfahrung des Alterns. Verraten Sie uns bitte mehr über den Inhalt…
Colin Dove DO: Wenn man heute einem jungen Menschen einen Rat geben soll, wie man sich am besten auf ein gesundes und langes Leben im Alter vorbereitet, gäbe es wohl die Versuchung zu sagen: „Es ist gut, Stress und Trauma zu vermeiden, daher auch wettbewerbsorientierte Sportarten; lass Drogen weg, also auch Nikotin und Alkohol, und sei moderat beim Essen.“ Wenn man jedoch die Todesanzeigen in der Zeitung studiert, stellt man fest, dass Menschen oft ein langes und produktives Leben führen, obwohl sie im Laufe ihres Lebens schwere Verletzungen erlitten, Schreckliches erlebt oder exzessiv gelebt haben. In meinem Vortrag versuche ich für dieses Paradox eine Erklärung anzubieten und nutze dabei meine eigene Erfahrung als Beispiel. Ich hatte eine große Herzoperation, bei der vier Koronararterien ersetzt und sieben Stents eingesetzt wurden. Dies hat mich nicht davon abgehalten, weitere 24 Jahre ein erfülltes und aktives Leben zu leben. Welche Schlüsse können wir als Osteopathen aus solchen Erfahrungen ziehen? Und was bedeutet das für unser eigenes Leben?
 
VOD:  Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn Sie ältere Menschen osteopathisch behandelt haben? Wie können Senioren von Osteopathie profitieren?
 
Colin Dove: Die kurze Antwort auf diese Frage ist leider, dass ich nie genug Patienten in dieser Altersgruppe gesehen habe, die von meiner Erfahrung hätten profitieren können. Ich denke, das hängt mit der Sprache zusammen, die bei alten Menschen oft von Medizinern gewählt wird: „Ihre Wirbelsäule ist kaputt und wir können sie nicht ersetzen“, oder „Sie haben Arthritis, da kann man leider nichts machen“, und „Ihre Gelenke sind leider vollkommen abgenutzt“. Eine Degeneration der Gelenke ist im Alter häufig, – fast universell in Synovialgelenken – wenn man älter als 70 ist. Die meisten so veränderten Gelenke sind jedoch nicht schmerzhaft, auch wenn sie weniger Bewegungsradius und die dazugehörigen Muskeln an Kraft verloren haben. Zu Schmerzen kommt es, wenn diese Gelenke unnatürlichen Belastungen oder Strainmustern ausgesetzt sind, und diese kann man erleichtern, wenn man sie schnell und kompetent behandelt. Daher ist ein Kongress, der das Thema Alter zum Thema hat, so wertvoll – denn hier kann jüngeren Osteopathen klarwerden, wie wichtig es ist, dass die Öffentlichkeit versteht, wie viel wir in diesem Bereich tun können.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass meine Osteopathin, die mich seit 24 Jahren regelmäßig behandelt, diese kleinen und größeren Stressmuster und Strains immer sofort entdecken und behandeln kann. Das hilft mir, damit gut zurecht zu kommen. Da sie mich schon so lange behandelt und kennt, kann sie es auch sehen, wenn aus irgendeinem Grund der normale Alterungsprozess beschleunigt wird, und dann die Ursache behandeln. Als ich mich damals von diesen großen Operationen erholte, war es außerordentlich unterstützend, dass sie mir helfen konnte, wieder ein normales Atemmuster zu finden. Das beschleunigte meine Rekonvaleszenz sehr. Das Heilen der Narbengebiete im Bereich des Sternums, das ja bei der OP durchtrennt wurde, ging sehr schnell und gut vonstatten, und auch die venöse Dränage im Beinbereich, die gestört war, nachdem man die v. saphena magna entfernt hatte, um sie für die Herz-OP zu nutzen.
 
VOD:  Sie sind ein Mitbegründer des Research Council for Complementary Medicine in UK.
Kennen Sie neuere Studien zum Thema Osteopathie für alte Menschen?
Colin Dove: Bei meiner Arbeit als Mitbegründer und im Vorstand des RCCM ging es zum großen Teil darum herauszufinden, wie Professionals, die keine Geschichte und Erfahrung im Bereich der Forschung haben, Forschung betreiben können. Gleichzeitig war es notwendig, Schulmedizinern und anderen Kollegen aus der Wissenschaft klarzumachen, dass die Prinzipien, die angewendet werden, um Krankheiten zu erforschen, und besonders die Prinzipien, die angewendet werden, um den Effekt von Medikamenten zu studieren, nicht passen, wenn man Herangehensweisen studieren will, die darauf basieren, dass man die Gesundheit optimiert. Auch 30 Jahre später ist dies leider ein ungelöstes Rätsel. Nun bin ich seit einiger Zeit nicht mehr aktiv, daher weiß ich nicht, was derzeit die Richtung ist. Es stört mich jedoch, wenn Osteopathen denken, dass die Methoden, die entwickelt wurden, um Medikamente zu erforschen, nützlich sind, um ihre Behandlungsmethode zu erforschen.
 
VOD: Vielen Dank! Wir sehen uns in Bad Nauheim!
(Übersetzt von Eva Möckel DO)

Über Colin Dove DO:
Colin Dove DO war von 1968- 1977 Direktor der British School of Osteopathy, UK; und von 1980-1990 leitete er die Abteilung für Post-Graduate Studies des BSO. 1974 war er einer der Ersten, die im UK „kranielle“ Osteopathie unterrichteten, zusammen mit dem SCTF, USA. 1986-1996 war er im Vorstand des SCTF, USA. Er unterrichtete viele Jahre mit dem SCCO, UK, wo er 1993-1996 Vorsitzender des Vorstandes war. Ebenso unterrichtete er in Europa, Nordamerika, Australasien und Indien. Er ist Ehrenmitglied der Cranial Academy, USA, und des SCCO, UK, und Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Research Council for Complementary Medicine, UK.

Nutzen Sie den Frühbucherrabatt, sichern Sie sich 30 Fortbildungspunkte: Melden Sie sich für den 19. Internationalen Kongress vom 30. September bis 02. Oktober an: www.osteopathie.de/kongress. Wer vorab das International Symposium am 29. September besucht, erhält weitere 10 Fortbildungspunkte!

Link: osteopathie.de/n1465822620



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