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14.08.2016

„Leistungssportler vergleichbar mit Formel-1-Motor“



Wie Osteopathie Olympioniken konkret helfen kann  
„Der Leistungssportler ist vergleichbar mit einem Formel-1-Motor. Jedes noch so kleine Stellglied arbeitet zusammen im funktionierenden Ganzen“, beschreibt Christian Ziegler. Er ist Osteopath, nahm dreimal an Olympischen Spielen teil – zuletzt als leitender Therapeut der deutschen Leichtathletik-Mannschaft – und behandelt heute das ganze Jahr über in Mannheim mehrere Olympioniken aus dem Leichtathletik-Bereich.
 
Im Turnen beispielsweise bestehe die Herausforderung für Osteopathen insbesondere darin, eine Balance zwischen der benötigten Kraft des Turners sowie seiner Beweglichkeit der Gelenke zu erkennen und diese zu erhalten bzw. nach einer Verletzung wiederherzustellen, verrät Osteopath Tobias Billert aus Berlin, der unter anderem den Kunstturner Andreas Bretschneider in Potsdam behandelt. Die Komplexität der sechs Turngeräte Boden, Barren, Ringe, Sprung, Pferd und Reck bedeutet für Turner und ihn als Therapeuten eine vielseitige Herangehensweise: „Die verschiedenen Geräte und Übungen daran erfordern den Einsatz verschiedener Muskelgruppen des Turners und besondere Strapazen der betroffenen Körperpartien. Für mich bedeutet diese Vielfalt eine komplexe und individuelle Therapie, die täglich variieren kann, je nachdem, was mein Sicht- und Tastbefund sowie die Beschwerden des Athleten ergeben.“ Jede Problematik werde individuell bewertet und entsprechend therapiert. „Bei einer Schulterverletzung werden vermehrt die ventralen Muskelgruppen genutzt. Dadurch entstehen oft Muskeldysbalancen, die dann zu funktionellen Problemen führen können. Dies könnte zum Beispiel eine Tendinitis oder auch ein GIRD Syndrom (Gleno-humorales-Innenrotations-Defizit-Syndrom) sein. Mein therapeutischer Ansatz wäre in solch einem Fall die Behandlung aller angrenzenden Bereiche wie Halswirbelsäule und Thorax, der intrathoracalen Faszien oder die von Organen ausgelösten viszerosomatischen Reflexgebiete“, so Tobias Billert, der auch Judoka, Kanuten, Radsportler und Leichtathleten betreut.
Der sechsfache Deutsche Meister im 110-m-Hürdensprint Matthias Bühler (re.) wird osteopathisch behandelt.
Der sechsfache Deutsche Meister im 110-m-Hürdensprint Matthias Bühler (re.) wird osteopathisch behandelt.

Im Hürdenlauf treten häufig Probleme in den Hamstrings des Schwungbeins auf, weiß Osteopath Christian Ziegler: „In den Momenten der Hürdenüberquerung und in der initialen Landephase nach der Hürde werden höchste Anforderungen an diesen Muskel gestellt. Einerseits muss dieser Muskel an sich unter trainingswissenschaftlichen Regeln gut trainiert sein. Andererseits können parietale Probleme wie akute Blockierungen in der Becken-Lenden-Hüftregion, Dysfunktionen im CTU-Übergang sowie Fehlstellungen des Atlas eine Fehlfunktion der Hamstrings hervorrufen. Viszerale Problematiken wie Dysfunktionen des Darmes, der Leber oder Nieren wie auch cranial gesehen die gestörte Relation Schädel-Beckenring haben negative Einwirkung auf die Funktionsweise des Muskels.“
Die Bronzemedaillengewinnerin der Europameisterschaft 2016 im Weitsprung, Malaika Mihambo: „Osteopathie hat einen großen Stellenwert für mich“.
Die Bronzemedaillengewinnerin der Europameisterschaft 2016 im Weitsprung, Malaika Mihambo: „Osteopathie hat einen großen Stellenwert für mich“.

Im Weitsprung wirke das circa 3,5-fache Körpergewicht beim Absprung vom Balken auf den Athleten ein. „Hier werden wir immer wieder Läsionen in der aufsteigenden Ursache-Folgekette feststellen. Dysfunktionen des Talus oder des Os Naviculare provozieren Kompensationen bis hoch zum OAA-Komplex, die wiederum Dysfunktionen im parietalen, viszeralen und cranialen System hervorrufen können.“
 
Wie können Osteopathen dann konkret helfen? Christian Ziegler: „Aufgrund der trainings- und wettkampfbedingten Beanspruchungen an das Stütz- und Bewegungssystem kommen in der osteopathischen Behandlung im Leistungssport den parietalen und myofaszialen Aspekten eine viel größere Bedeutung zu als den viszeralen und cranialen Gesichtspunkten. In der akuten Wettkampfphase können wir nur kleine Stellglieder justieren; der Athlet muss möglicherweise am nächsten Tag, oder im ungünstigsten Fall in wenigen Minuten, am Start Höchstleistung erbringen. Hierbei hat der Körper, im osteopathischen Verständnis, nicht die nötige Zeit im Sinne der Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Wir begleiten die Athleten über das ganze Jahr hinweg. In der Vorbereitungsphase auf die neue Saison oder in Trainingslagern vor der eigentlichen Wettkampfphase findet unsere osteopathische Arbeit schwerpunktmäßig statt. Hier haben wir ausreichend Zeit, den Athleten zu befunden und zu behandeln, nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv. Wir tun dies aber nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teil eines funktionierenden medizinischen Teams zusammen mit Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen, Biomechanikern, Ökotrophologen und weiteren Assistenzen. Die Compliance des Athleten ist hierbei unabdingbar, die Heim- und Bundestrainer müssen eingebunden sein und unser Tun respektieren!“
 
Die Entwicklung, sich osteopathisch befunden und behandeln zu lassen, zeichnet sich etwa seit sechs bis acht Jahren in der Leichtathletik zunehmend ab, so Christian Ziegler. „Ich selbst habe bereits Ende der 1990-er Jahre zwei Osteopathen im DLV-Team kennen und schätzen gelernt, damals wurden sie noch als Exoten betitelt.“ Während der Olympischen Spiele in London 2012 waren bis zu 26 Osteopathen aus verschiedenen Ländern als zentral medizinisches Team im Olympischen Dorf tätig.

Link: osteopathie.de/n1471192680



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