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VOD-Nachrichten


23.06.2017

„Patient ist eine dynamische Einheit aus Körper, Seele und Geist“



Interview mit Christian Fossum DO, Norwegian University College of Health Sciences
VOD: Wir freuen uns, Sie beim 20. internationalen VOD-Kongress in Bad Nauheim zu sehen! Worum wird es genau in Ihrem Vortrag „Osteopathic Philosophy – STILL relevant?“ gehen und warum haben Sie dieses Thema gewählt?
 
Christian Fossum: Die Tradition der Osteopathie liegt in der individuellen Herangehensweise, bei der der Patient im Mittelpunkt steht. Diese individuelle, personenbezogene Patientenversorgung basiert auf einem System, durch das die Faktoren bestimmt werden, welche den einzelnen Patienten auf struktureller, funktionaler und umgebungsbedingter Ebene definieren, unter Berücksichtigung  der Gesundheits-elemente innerhalb diesen anpassungsfähigen Systems. Diese Herangehensweise steht im Gegensatz
zur allopathischen Medizin, die den Fokus auf die Krankheit und deren „Reparatur“ legt.
 
Allerdings gibt es derzeit  innerhalb der Osteopathie eine Tendenz hin zur Interpretation des grundsätzlichen „Find it, Fix it“ in einem biomedizinischen Zusammenhang, in dem somatische Dysfunktionen als Ursache für die Probleme der Patienten gelten. Dabei wird vernachlässigt,  dass der Patient eine dynamische Einheit aus Körper, Seele und Geist ist. Da sich aktuell das medizinische Paradigma langsam hin zum patientenorientierten Ansatz verlagert, soll dieser Vortrag aufzeigen, dass es in der organisierten, westlichen Medizin die Osteopathie war, die als erste eine ganzheitliche und patientenorientierte Gesundheitsversorgung  erbrachte. Dies ist unsere philosophische Basis für eine Patientenversorgung, die beides umfasst: manuelle osteopathische Behandlung und Patientenberatung, zur Unterstützung der Patientengesundheit.
 
 
VOD: Ihr Workshop „Still-Techniques and the Exaggeration of the Lesion applied to myofascial, fascial and visceral dysfunction“ wird an drei Tagen angeboten. Was können die Teilnehmer erwarten?
 
Christian Fossum DO: Dieser Workshop wird sich auf die Geschichte, die Grundsätze und die Anwendung der unter-schiedlichen „Still-Techniken“ konzentrieren. Nach der Diskussion und Demonstration der unter-schiedlichen Grundsätze, werden diese auf verschiedenen Körpergeweben angewendet und in Bezug auf die physiologischen  Ursachen zur Anwendung der jeweiligen Technik analysiert.  Mein Ziel ist ein informativer und klinisch-relevanter Vortrag, der auch Spaß macht.
 
 
VOD: Sie sind außerordentlicher Professor und Leiter der Osteopathic Studies am Norwegian University College of Health Sciences in Oslo. Können Sie über aktuelle interessante Studien berichten?
 
Christian Fossum DO: Obwohl ich mich sehr für wissenschaftliche Forschung interessiere, bin ich derzeit mehr von der Komplexität und der Ungewissheit und deren Anwendung innerhalb der Osteopathie fasziniert. Die Wissenschaft lehrt uns, wie man durch genaue Informationen die richtigen Entscheidungen trifft, aber die Behandlung von Patienten stellt uns vor die Aufgabe, genaue Entscheidungen auf der Grundlage unvollständiger Informationen zu treffen.  Nicht alle Daten, die in Studien gesammelt werden, können auf den einzelnen Patienten angewandt werden und die Kombination aus Unbestimmtheit, Komplexität und osteopathischer Philosophie sollte uns in jedem Fall bei der klinischen Entscheidungsfindung helfen.
 
Es erscheint immer wieder neue Literatur zu diesem Thema, wie z.B. „How doctors think: clinical judgement and the practice of medicine” (Montgomery, 2006), “Complexity in primary care: understanding its value” (Sweeney, 2006), und “Handbook of systems and complexity in health” (Sturmberg, 2015).
 
Gleichzeitig konzentriere ich mich darauf, den Vortrag nicht zu theoretisch zu gestalten, sondern Osteopathie mit dem zentralsten Bestandteil unserer Praxis, der integrativen, osteopathisch-manipulativen Patientenbehandlung zu kombinieren.
 
VOD: Wie ist die Arbeitssituation von Osteopathen in Norwegen?
 
Christian Fossum DO: Osteopathie ist rechtlich nicht als Beruf anerkannt. Trotzdem ist es möglich, als Osteopath zu arbeiten, ohne eine weitere Gesundheitsausbildung wie in Deutschland. Das Universitätsstudium ist vom Staat anerkannt. Derzeit praktizieren ca. 350 Osteopathen in Norwegen und wie auch im Rest Europas, versuchen die Verbände, die Osteopathie als Teil des Gesundheitssystems anerkennen zu lassen.
 
VOD: Zurzeit absolvieren Sie Ihre Promotion an der University of Bedfordshire und der British School of Osteopathy. Mit welchem Thema beschäftigen Sie sich?
 
Christian Fossum DO: Mein Thema ist Geschichte und Philosophie der Medizin mit dem Fokus auf Osteopathie.
 
 
VOD: Wir danken Ihnen herzlich für das Interview und freuen uns auf Sie in Bad Nauheim!
 
 
 

Link: osteopathie.de/n1498197600



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